Gaaaanz weit weg !

Ein Jahr am anderen Ende der Welt

Berichte von 09/2015

30Sept
2015

Sp(r)itzenwetter

Hallihallo.

Gestern war ich im Run-off und habe dort gespritzt. Dabei konnte ich hautnah (manchmal auch ein bisschen zu nah) sehen, wie man meine Arbeit um einiges leichter erledigen kann. Da es nämlich ziemlich windstill war, hat der Nachbar seine Weiden spritzen lassen und zwar per Helikopter. Leider konne ich keine Fotos machen, ich war ja mit arbeiten beschäftigt. Der relativ kleine Helikopter hatte unten an den Kufen ein Spritzgestänge von geschätzen 10 Metern, wo allerdings der Tank war, konnte ich nicht erkennen. Dann ist er ziemlich tief über den Hügeln geflogen und dabei gespritzt und ist als immer hin und her geflogen. Da ich zu dem Zeitpunkt an einem Hang beschäftigt war, war ich beim ersten Mal ziemlich überrascht, als er mich überflogen hat, der flog ziemlich tief.

Dann sollte ich eigentlich mit dem Quad und dem festen Tank spritzen fahren, allerdings hat das nicht funktioniert. Erst war das Stromkabel auseinander, dann fehlte ein Deckel zum Druck aufbauen und jetzt funktioniert sie trotzdem nicht. Da denkt auch niemand dran, dass man sowas auch mal sauber machen müsste, wenn man die nicht andauert benutzt. Also habe ich stattdessen Rasen gemäht.

Heute ging es wieder Spritzen, wieder mit der Rückenspritze.

Morgen und übermorgen habe ich frei und darf das Auto benutzen, ich habe vor nach Napier zu fahren und mich dort mal umzusehen. Ich hoffe bloß, dass das Wetter gut bleibt, momentan ist es sehr wechselhaft. Trotz alledem habe ich heute offiziell die Sonnenbrandsaison eröffnet. Das man aufgrund des Ozonlochs hier auch im Winter Sonnenbrand bekommen kann, wusste ich schon, hab es allerdings gekonnt ignoriert. Jetzt hab bin ich auf dem Handrücken bis zum Ellenbogen rot, zuviel mit Ärmeln hoch Quad gefahren.

Bis denne, ich bemühe mich Fotos zu machen.
28Sept
2015

Daylight Saving

Gestern gab es nicht so sehr viel zu tun, ich habe gemolken und danach noch ein bisschen Papier und Plastik zusammengesucht und verbrannt.

Allerdings haben wir seeehr früh mit melken angefangen bzw ich als ich angefangen habe, war schon über die Hälfte gemolken. Der Inder hat die ganze Geschichte mit der Zeitumstellung nicht verstanden und hat 2 Stunden früher angefangen, obwohl ja nur eine Stunde geklaut wird, nach dem Robin es ihm 2 mal erklärt hatte.
Komischerweise wird die Verständigung immer schlechter und ich verstehe ihn momentan garnicht mehr, als wenn er eine andere Sprache spricht.

Heute war ich mal wieder Disteln spritzen, auch nicht besonders interessant. Dabei bin ich dir Hänge nur so rauf und runter geklettern und habe versucht, ein bisschen die Landschaft mit der Kamera einzufangen.

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27Sept
2015

Land&Leute

Land:
Die Landschaft hier ist echt atemberaubend. Wie ihr es sicherlich schon auf den Fotos gesehen habt, gibt es hier einiges an Bergen. Aus der Entfernung und von oben sehen die auch eher wie Hügel aus, aber wenn man unten steht, ist das echt steil. Und wenn man dann da hoch will, bewundert man die Kühe doch ziemlich, die mit Leichtigkeit hier jeden Tag auf und ab laufen. Das ist wirklich anstrengend  (und meine Kondition ist auch nicht mehr so die Beste) und ich bin froh, dass ich meistens mit einem Quad oder Auto unterwegs bin.

Wenn man in Taupõ über den See guckt, kann man die "richtigen" Berge auch sehen, ganzjährig schneebedeckte Berge oder eher gesagt gleich ein ganzes Gebirge.
Die vorwiegende Farbe hier ist definitiv Grün, ein starkes Grün von frischem wachsenden Gras und ab und zu etwas dunkler, Wälder voller Pinienbäume.

An Tieren sieht man hier vorallem Kühe, mal in größeren, mal in kleineren Herden. Die weltbekannten Unmengen an Schafen sind mit noch nicht begegnet, dafür ist das Terrain noch zu zugänglich für die Kühe.


Das Wetter ist hier sehr wechselhaft, durch die längliche, schmale Form Neuseelands hat man es nie weit zur Küste, dass Wetter ist maritim und ändert sich ständig. Der heutige Tag ist das Beste Beispiel: Die Nacht war klar und es war fast Vollmond, worauf wir heute morgen Frost hatten. Vielleicht auch aufgrund dessen, dass wir eine Stunde früher angefangen haben, habe ich ziemlich gefroren. Allerdings kam tagsüber die Sonne raus, wir hatten um die 17 Grad und damit gefühlt den wärmsten Tag seit ich hier bin. T-shirt Wetter. Doch momentan hat es sich wieder zugezogen und sieht nach ordentlich Regen aus, dass sind hier 4 Jahreszeiten in einem Tag.

Die Straßen sind hier sehr unterschiedlich. Es gibt die Motorways, sie gleichen den Bundesstraßen in Deutschland, das Tempolimit ist 100, die Straße meist gradeaus. Wenn es längere Berge gibt, gibt es eine Überholspur, die LKWs dürfen auch 100 fahren, nur bergauf kommen sie halt nicht so schnell. Die anderen Straßen sind seeeehr kurvig und es gibt viele Hügel, nicht selten auch beides zusammen. Vor jeder engeren Kurve steht auch ein Warnschild mit einer Geschwindigkeit drauf, an die es sich auch zu halten lohnt. Auch Schotterwege können hier auch offizielle Straßen sein. Die meisten Brücken ausserhalb sind nur einspurig gebaut, sodass man immer langsam fahren muss, um sicherzugehen, dass nicht aus der nächsten Kurve ein Tankwagen oder Viehtransporter kommt.
Auf den Straßen gilt Linksverkehr und an jeder Kreuzung ist die Vorfahrt geregelt.

Die Höfe stehen meist nicht direkt an der Straße, sondern haben eine relativ lange Einfahrt. Meist gibt es allerdings keinen richtigen Hof wie in Deutschland, sondern ein Wohnhaus und in etwas Entfernung der Melkstand und irgendwo dann noch der Kälberschuppen mit Werkstatt und manchmal auch Unterstand für Maschinen.
Das zugehörige Land liegt rund um den Hof, sodass die Wege alle privat sind, auch Tunnel unter der Straße durch sind keine Seltenheit.
Oft gibt es eine extra Einfahrt für den Tankwagen direkt zum Melkstand, an der die Arbeiterhäuser liegen. Es sind oft keine wirklichen Häuser, sondern errinnern mich an eine Mischung aus Ferienhaus und Wohncontainer. Find ich aber garkeine so schlechte Idee, das Personal wechselt oft und der nächste Ort ist meist weit entfernt, obwohl die Entfernung anders wahrgenommen wird. 30 Minuten Fahrt fällt hier noch unter 'mal eben'.

Leute:
Die Menschen hier sind immer freundlich, eine vielgenutzte Phrase ist das 'How are you?', was man hier eigentlich immer gefragt wird, egal wo man hinkommt. Außerdem wird hier jeder mit dem Vornamen angesprochen, vom Bankangestellten bis zur Verkäuferin. Zusammen mit dem englischen 'you' erstmal etwas komisch für meine förmliche deutsche Prägung. Auch Händeschütteln ist hier unüblich, hier wird umarmt. Diese Kombination schafft irgendwie von Anfang an ein anderes Verhältnis.
Ansonsten ist hier alles an Menschen vertreten, es gibt 2 Arten von Einheimischen. Einmal die Maori, von denen ich ja schonmal berichtet habe, und dann noch die 'normalen' Neuseeländer, deren Wurzel ja in Großbritannien liegen. Die Maori erkennt man oft schon am Aussehen, sie haben dunklere Haut und sind oft tätowiert, teilweise auch im Gesicht. Allerdings trifft man hier Menschen von überall. Viele Niederländer wohnen hier (der Name New Zeeland lässt niederländische Einflüsse vermuten) und vorallem auf den Farmen trifft man auf viele Phillepiner und Inder, die hier einen guten Ruf als günstige und zuverlässige Arbeitskraft haben.
Gesprochen wird hier Englisch( was für eine Überraschung :D), aber Maori ist auch eine offizielle Sprache hier, viele Schilder sind auch in Maori geschrieben. In der Post kann man sich auch von jemanden helfen lassen, der die neuseeländische Gebärdensprache spricht.
Das Englisch wird hier oft sehr schnell gesprochen, es kommen viele Slang-Begriffe dazu. Vorallem wenn es lauter ist, komme ich dann nicht mehr hinterher.

Bald gibts noch mehr.....

26Sept
2015

Ein Tag in Taupõ

Huhu.

Gestern war ich also in Taupõ. Dafür bin ich (für meine Verhältnisse für einen freien Tag) extra früh losgefahren, sodass ich mal wieder nach Hause telefonieren konnte. Mein Internet hier reicht grade so für die nötigsten Dinge, eine konstante Verbindung, wie Skype sie braucht, ist hier irgendwie nicht möglich.
Danach hab ich mich an den See gesetzt und endlich die langersehnten Postkarten für meine bettelnden Freunde fertig gemacht (es wird aber noch ca 3 Wochen dauern, bis sie bei euch sind :) ).
Dann bin ich noch ein bisschen durch die Straßen gebummelt und hab die Touristen-Info besucht, die hier ziemlich gut ausgestattet sind. Man wird über Attraktionen im ganzen Land informiert und kann sie dort auch sofort buchen.
Dann ging es schon wieder 35km zurück, der Tag war schneller vorbei als ich gucken konnte.

Heute war außer Melken nicht wirklich viel los, ich habe schnell meinen Zaun fertig gemacht und mit Chef einen leckenden Brunnen gesucht und mich dann wieder ins Bett befördert. Mein Schlafrhytmus ist irgendwie kaputt und außerdem ist heute Nacht 'Daylight Saving', also Zeitumstellung. Es wird uns eine Stunde geklaut, was also einen Zeitunterschied von 11 Stunden macht, bis ihr eure Uhren auch umstellt und wir dann die kompletten 12 Stunden auseinander sind. Hier wird die Zeitumstellung noch eher gebraucht als in Deutschland, hier sind einfach mehr Leute in der Landwirtschaft beschäftigt, und die profitiert da von.

Wo ich schon bei Zeit bin: In weniger als 90 Tagen ist Weihnachten, ich wurde gestern schon bei einer Unterhaltung mit einer Verkäuferin gefragt, wo ich denn Weihnachten verbringen würde :D
Allerdings sind meine Pläne lange noch nicht so weit, ich denke aber irgendwo am Wasser.

Das wars von mir, den für gestern versprochenen Bericht gibts hoffentlich morgen.
24Sept
2015

Zaunbau

Hallo,

Gestern morgen musste ich mal ausnahmsweise nicht melken, sondern konnte bis 8 ausschlafen. Den Grund dafür kenne ich nicht wirklich, Chef sagte nur, dass das den Inder mal in Eile bringt, sein Tempo lässt ziemlich zu wünschen übrig. Also hab ich ganz entspannt angefangen, in 2 Paddocks Magnesium zu verteilen und mit Yo zusammen einige Kälber gedrencht, das Mittel wirkt gegen alle möglichen Parasiten. Dann gab es nicht mehr wirklich was für mich zu tun, weil Di mit der Rückenspritze zum Spritzen los war. Abends bin ich dann zum melken zu Amber und Brady gefahren, wo ich auch heute wieder war.

Heute Vormittag bin ich im Run-off gewesen und hab angefangen einen Zaun zu reparieren. Die 3 Stunden Hammerarbeit werd ich wohl morgen ordentlich im Arm spüren.
Dort hin gefahren bin ich einfach mit dem Quad auf der Straße, selbstverständlich mit Helm. Allerdings ähnelt der eher einem Fahrradhelm, bei 80 kmh tränen die Augen ziemlich :D
Heut Nachmittag hab ich mit Robin zusammen an der Einfahrt einen Zaun gebaut, allerdings einen massiven Holzzaun.

Morgen hab ich frei und Robin und Anette fahren nach Hamilton, um einen neuen Hydraulikschlauch zu holen, der Bagger ist ein bisschen kaputt und die Anschlüsse so selten, das die Werkstatt die nicht auf Lager hat. Ich darf das andere Auto benutzen und werde nach Taupõ fahren.

Inzwischen habe ich auch mein erstes Gehalt bekommen und im Gegensatz zu der mickrigen Ausbildungsvergütung fühle ich mich jetzt richig reich :D

Ich hoffe, dass ich morgen mir mal die Zeit nehme und mal etwas allgemein über meine ersten Eindrücke und den Andersartigkeiten schreiben werde.

Bis denne,
Ronja
22Sept
2015

Warten auf den Vet

Tach,

Hier stürmts momentan, gestern war sogar der Strom kurz weg.

Gestern ist nicht viel spannendes passiert, ich hab Feuerholz gestapelt und durfte endlich! mal Trecker fahren. Die Futterraufe musste umgestellt und befüllt werden und das Kraftfuttersilo musste nachgefüllt werden. Wir haben den ganzen Nachmittag auf den Tierarzt gewartet, er sollte sich 2 fußkranke Kühe und eine aufgeblähte Kuh angucken.

Allerdings ist er erst zur Melkzeit gekommen, was uns das melken nicht besonders erleichtert hat. Da kam auch wieder zum Vorschein, wie schlecht die Kommunikation mit meinem indischen Kollegen funktioniert. Er wird allerdings hier nicht eingestellt, ich wurde auch schon gefragt, ob ich nicht fest anfangen möchte.

Heute war bis jetzt auch nicht viel interesannter, es wurde bei ca. 100 Kühen, die im Herbst kalben sollen, Trächtigkeitskontrolle gemacht. Das Ergebnis kenne ich leider noch nicht, ich habe mich mit meiner geliebten Rückenspritze und den Disteln beschäftigt. Momentan hab ich frei, bis es dann für mich mal wieder zu Amber und Brady zum Melken geht.

Morgens die Kühe zum Melken zu holen ist echt ein besonders schöner Augenblick, weil es momentan genau mit dem Sonnenaufgang passt. Ich fahre im fast noch dunklen los und auf dem Weg geht die Sonne auf.



Diese Menge an Kühen lässt sich leider nicht wirklich schön in Fotos festhalten, es ist in echt noch viel eindrucksvoller.

Grüße,
Roni (da hab ich mich schon ziemlich dran gewöhnt :D )

20Sept
2015

WE und Menschenhaufen

Hallo ihr Lieben.

Hier ist, wie in Deutschland auch, momentan Wochenende und mein indischer Kollege Di hat frei, also melke ich zusammen mit Yo und manchmal ist Chef auch mit dabei.
Gestern hat Robin ein paar Treibewege erneut, dafür baggert er einfach in einem Paddock ein Loch, nimmt die Erde(oder eher den Kies) und verteilt ihn auf den Wegen. Da es hier ziemlich hügelig ist, schwemmt der Regen den Boden immer wieder ins Tal. Was allerdings mit dem großen Loch passiert,  weiß er noch nicht :D
Ich bin einige Runden auf dem Massey-Ferguson mitgefahren und dann gabs mal wieder nix zu tun.
Nach dem Mittag hab ich mit Yo die frischen Kälber reingeholt und die Folien von der Silage zusammengeräumt. Die wird hier übrigens einfach, wie so ziemlich alles verbrannt, was ordentlich stinkt.

Heute gibt es nix weiter zu tun, es regnet die ganze Zeit, also lieg ich schon wieder im Bett.
Vorhin wurden noch 7 Kühe abgeholt, sie haben sich auf ihre letzte Fahrt begeben.

Es wurde heute das 12 Zwillingspaar geboren, was erstaunlich viel ist. Zwillinge sind eigentlich nicht gewünscht, die Kühe haben danach meistens Probleme mit der Gebärmutter und sehen dadurch schlecht aus. Die Kälber sind kleiner und bei Bulle/Kuh-Zwillingen ist die Kuh unfruchtbar und dadurch nicht als Milchkuh zu gebrauchen.

Seit gestern läuft in England die Rugby-Weltmeisterschaft, das heißt, hier wird morgens Rugby geguckt, um bloß nichts zu verpassen. Rugby ist hier quasi der Nationalsport und die Nationalmannschaft, die All Blacks, sehr erfolgreich und startet als Titelverteidiger in das Tunier. Für mich als Laie sieht das sehr komisch aus, dauend liegen haufenweise Leute übereinander auf dem Platz und es entwickelt sich keine Spieldynamik wie beim Fußball.  Allerdings werde ich um Rugby nicht drumherum kommen, hier ist jeder danach verrückt.

Ich werd jetzt mal weiterschlafen,
Bis denne.

18Sept
2015

Trip nach Taupõ

Hi,

Gestern war ich morgens und abends zum Melken bei Amber, Brady wollte mit einem Freund angeln gehen. Für ihn war es das erste Mal länger weg von der Farm seit Juli! Leider ist daraus nix geworden, weil es in Chile ein Erdbeben gab  und deswegen eine Tsunamiwarnung  für Neuseelands Ostküste herrausgegeben wurde. Darin wurden alle gewarnt, sich von den Stränden festzuhalten und sich nicht auf dem Wasser aufzuhalten. Dafür durfte er dann einen Stall für die Hühner bauen :D

Zwischendurch hatte ich frei und durfte mit dem Auto nach Taupõ fahren (ein paar Linksverkererfahrungen hab ich ja inzwischen schon sammeln dürfen). Das war erstmal etwas ungewohnt, wurde aber schnell besser. Weit in die Stadt hab ich mich aber nicht getraut, Anette hatte mir geraten, das Auto beim ersten Supermarkt stehen zu lassen, was eine sehr gute Idee war. Dann hab ich mir den riiiiesigen See angeguckt, übrigens der größte des Landes. Er ist ziemlich tief, weil er im Prinzip mehrere mit Wasser gefüllte Vulkankrater sind, ich befinde mich ja noch in der Vulkanzone. Taupõ ist schöner als Rotorua, einmal weil es nicht so nach Schwefel riecht, aber auch, weil es nicht so lang und verstreut wie Rotorua ist. Da bin ich einfach etwas durch die Straßen gelaufen, die für einen Donnerstag Vormittag schon ziemlich voll waren. Vorallem die Cafes waren schon ganz gut besucht, was mich überrascht hat.

Auf dem Rückweg hab ich mich ein klitzekleines bisschen verfahren, weil ich zu spät auf die Strasenschilder geachtet habe.( hier gibts aber auch nicht viele Straßen)
Beim Fahren muss man immer gut aufpassen, bloß auf seiner Seite zu bleiben. Wenn man nicht grade auf der Bundesstraße fährt, sind die Straßen schmal und haben viele unübersichtliche Kurven und Hügel und die Trucks sind auch nicht schmal. Hier arbeitet auf fast jedes Jahr ein Praktikant aus dem Ausland, deswegen haben die hier schon Erfahrungen mit den Rechtsverkehr-Gewohnten, mir wird fast jedes Mal gesagt, das ich vorsichtig fahren soll und auf der richtigen Seite.

Gestern ist eine Hereford-Kuh totgegangen, sie hat sich irgendwie eine Infektionen durch die Injektion mit dem B12 eingefangen, was eigentlich sonst nie Problem gemacht hat. Der Tierarzt war noch da, aber die Infektion war schon zu stark. Das ist natürlich kein ganz kleiner Verlust, die waren fast schlachtreif.

Heute hab ich frei, weil am Wochenende meine Hilfe gebraucht wird. Deswegen verbringe ich den ganzen Tag im Bett, was auch mal wieder ganz gut tut.
Außerdem ist noch nicht ganz klar, ob der indische Arbeiter bleibt, Robin ist nicht ganz zufrieden mit ihm, er hat schon öfters im falschen Paddock gefüttert, auch hier gibt es Kommunikationsprobleme.

Insgesamt kommt mir das alles hier sehr unreal vor, ich kann es immernoch nicht so wirklich begreifen, das ich einfach momentan in Neuseeland bin.
Es gefällt mir hier aber sehr gut und ich fühle mich auf der Farm wohl.

Für alle die es interessiert, was meine Kollegen aus dem Flieger so machen: Die meisten reisen momentan noch durch die Gegend, einer arbeitet als Küchenhelfer und einer ist schon wieder zurück in Deutschland. Ziemlich komische Mischung, dafür das alle gleich mit dem Arbeiten anfangen wollten :D

Liebe Grüße nach Deutschland,
Ronja

16Sept
2015

Not- OP und die bunte Truppe

Heey.

Gestern waren die Männer im Run-off also Gebiet der Farm, was ca. 15 min. von hier entfernt ist. Auf ca. 50 ha leben die Färsen, Bulle und die Hereford-Kühe. Dort haben sie den Yard repariert, dort kann man die Kühe einfangen und sortieren und behandeln.
Währenddessen hab ich mal wieder Tränken geputzt. Nachmittags ging es dann für mich zu Ambers und Bradys Farm. Dort haben 200 Kühe schon aufs melken gewartet. Das sind diesmal weder reine Holstein Friesian (die großen Schwarz-Weißen) noch nur Jerseys (die kleinen Braunen), sondern Crossbreeds. Das heißt soviel wie Mischlinge. Hier gibt es vorallem HF x Jersey, Kreuzungen mit Hereford, also Fleischrinder. Brady sagt, alles, was niemand haben will. Mit 25 l pro Tag in der Spitze ist das keine Riesenleistung, aber wenns vom Geld her reicht, warum nicht. Das melken ansich macht Spaß und ist ziemlich entspannt. Absolut keine Hektik und ordentliche Musik dabei.

Heute hab ich Rasen gemäht, während die anderen die neuen Kälber mit der Wurmpaste gedrencht haben.

Achtung : Ekelig!!!

Ein Kalb hatte einen sehr dicken Nabel, da ist dann meistens eine Entzündung drin und wenn man die aussticht, kann die ganze Grütze ablaufen. Allerdings kam beim Aufstechen nicht alles raus, woraufhin wir den Nabel etwas aufschneiden mussten. Dabei ist der Labmagen rausgerutscht, der durch die kleine Öffnung im Nabel gerutscht ist. Also mussten wir das Kalb auf den Rücken legen und warten, bis der Tierarzt kam. Der musste das Loch ein wenig größer machen, da kein Blut durch den Magen fließen konnte. Dann wurde der Magen wieder reingestopft und alles wurde gut zugenäht. (Es ist (für mich) ziemlich lustig/interessant zu sehen, wie der Magen sich bewegt, das mag für alle anderen vielleicht ein bisschen ekelerregend sein :D)
Entschuldigung für diese ausführliche Erläuterung.

Dann ging es für mich wieder zu den Kleinen Kühen zum melken und das wars für heute. Ü

14Sept
2015

In town

Heey,

Gestern war hier nix los außer melken, typisch Sonntag halt. Die einzige Jersy-Färse in der Herde hat gekalbt und hat einen niedlichen Sohn.

Heute morgen hat Yo auf der Weide der melkenden Kühe ein Kalb gefunden und keine Kuh wills gewesen sein. Bei knapp 200 Kühen in der Gruppe auch keine ganz einfache Aufgabe, wir haben beim Melken die Augen offen gehalten und konnten keine finden. Aber die kriegen wir noch.

Heute sind wir kurz 'in town' gewesen, was eher einem Dorf in Deutschland entspricht. Hier gibt es einen kleinen Laden, wo man alles bekommt, was man so zum Leben braucht und ich hab mal seit 2 Wochen wieder eingekauft. Aber ich werde hier ja versorgt, da ist das nicht schlimm. Allerdings anders als in Deutschland ist, dass es hier normal ist, in vollgeschissenen Overall und Gummistiefeln den Laden betritt. (Ich hab schonmal davon berichtet) :D

Heute haben wir die 70 einjährigen Mädels eingefangen und ihnen eine Wurmkur und diverse andere Mittel verabreicht. Zum einen Vitamin B12 und eine Impfung gegen BVD, was in Deutschland ja nicht mehr ohne weiteres möglich ist.(BVD verursacht Früh- und Spätaborte, d.h. die Kühe verlieren den Embryo innerhalb der ersten Wochen oder das fast fertige Kalb in den letzten Monaten.)
Dann wurde noch 30 Hereford also Fleischkühe einfangen und behandelt. Da sind einige lustige Kollegen bei. Schecken, die allerdings nicht rein rote Flecken haben, sondern rot-schwarz gestreifte Flecken. Vielleicht krieg ich die auch mal vor die Linse, sieht sehr interessant aus.

Jetzt gehts gleich nurnoch melken und das wars für heute.

Die nächste Zeit werde ich noch hier verbringen, hier sind zwar jetzt wieder genug Leute, aber ich werde bei wohl mal bei der Farm von Amber und Brandy melken helfen , die hier ja fast um die Ecke ist.

Grüße.
12Sept
2015

Disteltrauma

Hallo,
hier ist mal wieder nix los, dadurch das mein Nachfolger momentan hier ist, hab ich nix mehr zu tun, außer Disteln spritzen und Tüddelkram. Deswegen hab ich heute nachmittag auch wieder bis zum Melken frei. Ich find das ein bisschen unglücklich.

In den letzten Tagen hab ich mich leider mit meiner Steuernummer beschäftigen müssen, eigentlich hatte ich das ausgefüllte Formular mit meinen Kollegen zusammen an unseren zweiten Tag in Neuseeland abgegeben und hätte einen Brief mit der Nummer bekommen. Da der Brief noch nicht angekommen ist, aber meine Leute alle schon lange ihre Nummer haben, hab ich mich mal bei meiner Organisation erkundigt, die mir daraufhin eine Telefonnummer gegeben haben. Allerdings konnte man dort kein eingegangenes Formular finden. Also wurde es gesucht und als ich  nen halben Tag später wieder angerufen hab, war plötzlich alles da. Das scheinen irgendwie nicht die schnellsten Menschen zu sein. Das heißt also, dass ich jetzt endlich auch mal bezahlt werden kann, weil ohne Steuernummer kein Geld.

Das Melken zusammen mit dem Inder läuft so lala, weil ich meinen Job machen muss und gleichzeitig noch gucken muss, was er macht. Leider ist die Verständigung auch nicht so top, weil er relativ wenig Englisch spricht und meins auch noch nicht perfekt ist. Aber es wird besser.

Ansonsten ist das Disteln spritzen eine extrem langweilige Arbeit und die 500 Lieder auf meinem Handy hab ich jetzt auch langsam genug gehört. Die meiste Zeit hab ich eine 15 Liter Spritze auf dem Rücken, die also ein ähnliches Gewicht wie mein vollgepackter Rucksack hat, nur um einiges unbequemer ist. Und dann fahre ich mit dem Quad zu allen abgeweideten Paddocks und laufe und suche die Disteln, bergauf und bergab. Die interessanteste Wirkung ist, dass ich, wenn ich die Augen zumache, lauter Disteln sehe :D

Zwischendurch haben wir mal die Kälber vom Herbst eingefangen und ihnen eine Wurmkur und Mineralien verabreicht.

Das wars soweit von mir, bis denne

09Sept
2015

Kuzer Rückblick

Hallihallo.

Jetzt bin ich schon einen ganzen Monat weg von Zuhause. Die Zeit rennt ziehmlich schnell, wenn man überlegt, dass vorrausichtlich 'nurnoch' 11 Monate überbleiben. Trotzdem noch unvorstellbar lange. Und deswegen blicke ich heute schonmal kurz zurück.

Ich bin in dem letzten Monat das erste Mal überhaupt geflogen, und zwar insgesamt 21 Stunden. Ich bin auch das erste Mal im englischsprachigen Ausland und überhaupt das erste Mal ohne Familie im Ausland. Und das erste Mal außerhalb Europas.

Ich habe hier schon diverse Läden durchbummelt, habe in vielen verschiedenen Hostels geschlafen (wovon ich übrigens nur das erste im Vorraus gebucht habe), habe schon viele Menschen kennengelernt, vorallem Deutsche, aber auch einige andere, war überhaupt das erste Mal drauf angewiesen, Englisch zu sprechen und das war nicht ganz so easy. Ich hab schon viel mit Einheimischen gesprochen und schon für meine Verhältnisse ziemlich viel auf Englisch telefoniert, darunter waren auch 2 Vorstellungsgespräche.

Ich bin schon geschwommen, wenn auch nicht im Meer oder See, dafür in einer Höhle 50m unter der Erde und das mit Gummistiefeln an den Füßen. Ich bin schon Wasserfälle mit einem Boot runtergefahren und bin in einem Gummiball den Berg runtergerollt. Außerdem habe ich schon die Natur bestaunen dürfen und damit bin ich noch lange nicht fertig.

Ich bin schon auf 2 verschiedenen Farmen gewesen, hab schon einiges an Kühen gemolken und Kälber gefüttert und hab auch nicht zu wenig geputzt. Außerdem hab ich das Quadfahren gelernt und bin schon im Linksverkehr Auto gefahren.

Ich hab schon einiges an Geld ausgegeben und es teilweise später bereut(der Bus). Außerdem bin ich dabei mein erstes 'ausländisches' Geld zu verdienen, was ja letzendlich auch das erste Gesellengehalt ist.

Ich hab in diesem einem Monat schon soviel erlebt und freue mich schon auf die restliche Zeit.

Hier passierte allerdings nix wirklich interessantes, mir hat gestern eine Kuh voll gegen den Oberschenkel getreten und jetzt warte ich schon auf den blauen Fleck. Ansonsten melke ich und spritze Disteln und putzt Tränken.

Viele Grüße nach Deutschland, oder wo auch immer ihr das jetzt lest.

Ronja

07Sept
2015

Voll im Trott

Hallo.

Gestern vormittag hab ich so wie Samstag auch verbracht: halb schlafend und halb dösend. Irgendwie vermisse ich meinen Roller schon extrem, ein anderes Transportmittel würde auch gehen, aber hier ist echt gar nix los.( Und das Internet ist auch nicht beständig  :) )
Gestern nachmittag haben wir Kühe reingeholt und eine kalbende Kuh. Sie hatte Zwillinge, die sich ineinander verdreht hatten, aber wir waren noch rechtzeitig zur Stelle. Die zwei kleinen Mädels werden wahrscheinlich an einen Betrieb verkauft,  der damit Fütterungsversuche durchführt, also die eine Kuh anders füttert als die andere, um zu sehen, mit welcher Fütterung bei gleicher Genetik mehr Milch erzeugt werden kann. Das geht natürlich nur mit eineiigen Zwillingen. Das ist übrigens schon das 10. Zwillingspaar in dieser Saison.

Heute hab ich außer dem Melken mal wieder Disteln gespritzt und ich habe mit Yo den kleinen Tunnel leergeschaufelt. Der Tunnel führt unter der Straße durch, weil auf der anderen Straßenseite auch noch Flächen sind und so können die Kühe selbstständig die Straße passieren. Leider schei*en sie da auch zu gerne rein. Ein bisschen gewundert habe ich mich über die Schaufeln. Warum haben die hier keine ordentlichen mit nem langen Stiel? Meine Theorie ist ja, dass die Schaufeln so selten gebraucht werden, aber trotzdem verstehe ich das nicht. Das geht nämlich ziemlich auf den Rücken. Aber wir waren zum Glück schnell fertig.

Das wars mal wieder von mir, bis bald.
05Sept
2015

Nix zu tun: Kleiner Überblick

Hey.

Hier ist momentan nicht viel los, ich habe heute frei und bis jetzt nur geschlafen und nen paar Pläne gemacht. Ich hab nämlich nicht wie jeder andere normale Mensch mir einen Reiseplan gemacht, sondern sammel erst jetzt so nach und nach, was ich eigentlich hier machen und wo ich hin möchte.

Mein Chef ist die meiste Zeit mit dem spike-rotor unterwegs (zur flachen Bodenbearbeitung) und bearbeitet damit die Paddocks, auf denen letzten Sommer so etwas wie Rübsen gewachsen sind. In der Zeit melke ich zusammen mit Johann, oder kurz Yo, und putze weiter Tränken. Gestern wurden ein Paar Kühe trockengestellt, sie werden in 2 Monaten kalben. Trockengestellt wird auch hier mit einem antibiotischen Trockensteller.

Ansonsten habe ich einige interessante Sachen erfahren. In Neuseeland reitet jede zweite Person und viele Kinder haben ihr eigenes Pony. Der Grund ist ganz einfach: Es ist günstig. Wärend in Deutschland das eigene Pferd ein ziemlich teures Hobby ist, hat hier jede Farm noch genug Platz für ein oder zwei oder mehr Pferde, da reicht eine Wiese vollkommen aus. Auch in den Städten gibt es sogenannte Pony-Clubs, dort kostet es nur ca. $7 pro Woche, sein Pferd auf die Weide zu stellen.
Auch Leute die reiten können, werden hier oft gesucht, allerdings ist das deutsche 'reiten können' kaum vergleichbar mit dem hier, denn es wird ausschließlich im Gelände geritten und jede Kuhweide hier hat eine Stelle am Zaun, wo ein Holzbalken eingesetzt ist, zum drüberspringen.
Meine Gastfamilie reitet mit ihren Pferden auf Jagden mit.

Was mir noch aufgefallen ist, dass Neuseeland ein relativ großes Problem mit Drogen hat. Einerseits mit dem ohnehin schon teurem Alkohol und andererseits mit dem anderen illegalen Zeugs.
In vielen Jobangeboten, vorallem auf den Farmen, wird von vornherein schon ein Drogentest gefordert. Ich hab mir erklären lassen, das es wohl daran liegt, dass auf den großen Farmen die Jobs spezieller sind, dann hängt man halt Tag für Tag nur Melkgeschirre an oder spritzt den ganzen Tag Disteln und so nimmt das dann seinen Lauf.
Meine Chefin, die ja momentan auch einen neuen Arbeiter sucht, hat gesagt: Bei den meisten Bewerbern braucht sie sich nur einmal die Facebookseite angucken, da braucht man keinen Drogentest mehr machen. Traurige Wahrheit.

Das sind so meine neusten Erkenntnisse, ich werd euch auf dem laufenden halten.
Grüße, Ronja
03Sept
2015

Mitten im Nirgendwo

Hallo,

Hier passiert momentan nicht so wirklich viel interesanntes. Es ist dauernd am regnen. Zwischen morgens und abends melken streue ich entweder Magnesium oder hole Kühe und Kälber aus der Weide, putze Trecker und Tränken (von denen es nicht zu wenig gibt, in jeder der 100 Weiden mindestens eine ) und treibe Kühe um. Von dem 'busy in calving', der angeblichen hektischen Zeit während der Kalbesaison spüre ich hier ehrlich gesagt nix, alles ganz ruhig. Aber vielleicht ist Verständnis für Hektik hier ein anderes.

Heute Nacht ist eine Gruppe von Kälbern abgehauen und 2 Kälber sind mal eben durch einen Fluss geschwommen, ein Kalb ist insgesamt 5 km gelaufen :D.

Ich weiß noch nicht wie lange ich hier bleiben werde, dass kommt darauf an, wann ein neuer Arbeiter hier anfängt.

Liebe Grüße aus dem Nirgendwo,

Ronja

Der Melkstand

 

 

Für alle die es nicht erkennen können, das ist ein RoundUp Fass vor dem Kälberpadock. Was in Deutschland ein absolutes No-Go ist, ist hier Gang und Gebe.